Was ist psychische Gesundheit?
Psychische Gesundheit wird international als dynamisches Gleichgewicht des psychischen Wohlbefindens beschrieben. Psychisch gesund fühlt sich eine Person, „indem sie ihre intellektuellen und emotionalen Fähigkeiten ausschöpfen, die normalen Lebensbelastungen bewältigen sowie produktiv und fruchtbar arbeiten kann, und imstande ist, ihrer Gemeinschaft einen Beitrag zu leisten“ (Weltgesundheitsorganisation WHO, 2003). Psychische Gesundheit wird demnach beeinflusst durch die Möglichkeit, das eigene Potential entfalten und mit Belastungen im Leben umgehen zu können. Ebenfalls ein wichtiger Aspekt für das psychische Wohlbefinden ist das natürliche Bedürfnis, Teil der Gemeinschaft zu sein und von dieser „gebraucht“ zu werden.
Was macht psychisch gesund / krank?
Psychische Gesundheit und psychische Krankheit sind zwei Pole eines Kontinuums. Jede und jeder von uns bewegt sich ständig darauf und muss sich aktiv an Veränderungen im Leben anpassen. Belastungen am Arbeitsplatz und kritische Lebensereignisse wie der Tod einer nahe stehenden Person, eine Scheidung oder der Verlust des Arbeitsplatzes, können das dynamische Gleichgewicht des psychischen Wohlbefindens negativ beeinflussen. Was diese Ausgeglichenheit nachweislich steigert, ist die Überzeugung einer Person, das eigene Leben selbst bestimmen und meistern zu können sowie die erfahrene emotionale Unterstützung von Angehörigen und Freunden. Innere und äussere Ressourcen sind demnach zu nutzen, um im Spannungsfeld von psychischer Gesundheit und Krankheit ein persönliches Wohlbefinden zu erlangen. Wenn aufgrund der Lebensumstände und der verfügbaren Ressourcen dieser aktive Ausgleich jedoch nicht möglich ist, kann eine vorübergehende oder gar chronische psychische Erkrankung Folge davon sein.
Warum ein Tag der psychischen Gesundheit?
Eine Störung der psychischen Gesundheit, mit Symptomen wie eine fast nicht auszuhaltende innere Unruhe, Herzrasen verbunden mit Todesängsten oder der Wahn, ständig verfolgt zu werden, sind – verglichen mit körperlichen Beschwerden wie beispielsweise einen Arm im Gips – von aussen selten sichtbar. Aus diesem Grund ist die Stigmatisierung von Menschen mit einer vorübergehenden oder chronischen psychischen Störung in der Gesellschaft sehr hoch. „Der ist ein Schwächling.“ „Sie simuliert doch nur.“ „Mir könnte das nie passieren.“ Die Schweizer Statistiken zeigen jedoch ein anderes Bild: Jede zweite Schweizerin und jeder zweite Schweizer erkrankt im Laufe des Lebens an einer behandlungsbedürftigen psychischen Störung und nahezu die ganze Schweizer Bevölkerung macht im familiären, Freizeit- oder Arbeitsumfeld mehrfach unmittelbare Erfahrungen mit psychischen Erkrankungen. Es kann jeden treffen!
Aktivitäten und Veranstaltungen zum „10. Oktober – Tag der psychischen Gesundheit“ sind eine Gelegenheit, mehr über psychische Gesundheit zu erfahren. Der persönliche Kontakt zu Menschen mit einer aktuellen oder vergangenen psychischen Erkrankung fördert das Verständnis für psychische Beeinträchtigungen und bietet die interessante Gelegenheit, sich zum Umgang mit schwierigen Lebenssituationen auszutauschen. Die Sensibilisierung für Menschen mit einer psychischen Störung wird gefördert, das Bewusstsein für die eigene psychische Gesundheit wird gestärkt und die Ressourcen können besser genutzt werden.

